Mit ruhiger Hand und ganz viel Geduld zum Uhrmacher

 
 

Zwei Dinge fallen sofort auf, wenn man die Werkstatt von Uhren Schmiemann betritt: Sehr sauber ist es hier, viel Weiß dominiert den kleinen Raum, der dadurch beinahe steril wirkt wie ein Labor. Und: diese Stille.
Tick-Tack macht es ganz leise, doch man muss sich schon anstrengen, um dieses einzige Geräusch zu vernehmen. In dieser Abgeschiedenheit sitzt, über die Einzelteile einer Uhr gebeugt, Marius Sprenger. 19 Jahre jung und frischgebackener Uhrmacher. Uhrmacher – wie antiquiert das klingt.

Hier sitzt jedoch einer, der genau genommen noch Teenager ist. Ein großer, sportlicher Kerl, der Handball spielt, ins Fitnessstudio gehtund am Wochenende mit seinen Freunden feiern. Ein Ausgleich, so sagt er, zu diesem einsiedlerischen Dasein an den Wochentagen. Denn da ist Marius hochkonzentriert bei der Sache, zerlegt Uhren in ihre Einzelteile, repariert und säubert sie und vertieft sich über Stunden in eine Arbeit, die ihn nach drei Jahren Ausbildung noch immer fasziniert. 

Üben mit den grossen Uhren

„Ich hatte einen Bericht über den Beruf im Fernsehen gesehen“, erzählt der Absolvent, „aber meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen.“ Denn, anders als im Film, läuft im Alltag nicht alles glatt am Werkstatt-Tisch. „Es funktioniert nicht alles auf Anhieb. Da gibt es diese Kniffligkeiten. Und das macht dann noch mehr Spaß.“

 

Das Innenleben einer Uhr. Die einzelnen Bestandteile sind teilweise so winzig, dass sie besser sicher aufbewahrt werden 
Foto: Ayla Yıldız

Am Anfang haben sie Marius nur an die großen Uhren rangelassen. Heute kann er genauso präzise mit der feinen Mechanik umgehen wie seine Kollegen und Ausbilder, darunter immerhin vier Meister ihres Handwerks. „Man
braucht schon eine ruhige Hand“, sagt Marius. Doch es gebe auch Tricks, mit denen man arbeiten kann. „Bei besonders filigraner Arbeit atme ich ein und halte dann die Luft an. Das macht einen ganz ruhig.“ Und weil die Hände in diesem Beruf sein Kapital sind, passt er jetzt auch beim Handball-Training auf. „Da ziehe ich die Finger dann auch mal vorsichtshalber zurück.“ 

Schließlich liebt Marius Sprenger das Uhrmacher-Dasein; ein Beruf, von dessen Existenz vieler seiner Schulkameraden nicht einmal gehört hätten. „Das fanden alle sehr komisch“, sagt er über die Zeit vor drei Jahren, als er sich entschied, bei Schmiemann erst ein Praktikum und dann eine Ausbildung zu machen. „Und was machst du jetzt da?“ werde er bis heute noch gefragt. 

Ein Stück Kunst

Manchmal nimmt Marius dann seine Uhr vom Handgelenk, was er eigentlich gar nicht  gerne tut, dreht sie um und macht damit den Blick frei aufs Uhrwerk. Es ist ein mechanisches, das ist Ehrensache, und man kann es durch dickes Glas betrachten. „Da staunen dann alle“, sagt der Uhren-Fan und lächelt. Denn was in so einer Uhr steckt, das wüssten die meisten gar nicht. „Das ist auch ein Stück Kunst“, sagt Marius. Viele seiner Bekannten würden eineUhr, wenn überhaupt, als Schmuckstück tragen, wie einen Armreifen oder Ring. Doch auch wenn die meisten heutzutage das Handy für einen besseren Zeitmesser halten, die Uhr ist längst nicht tot und solche mit mechanischem Werk erleben gerade einen Boom, wie in dem Fachgeschäft an der Elsässer Straße zu erfahren ist. Es brauche in  Zukunft viel mehr Uhrmacher, um all die Aufträge für Reparatur und Wartung abarbeiten zu können. Ein Wunder, dass sich bei Schmiemann damals nur vier andere mit Marius beworben haben. Der ist jetzt unbefristet angestellt. 

 

TRADITIONSREICHES HANDWERK

Die dreijährige Ausbildung zum Uhrmacher kann in Betrieben des Uhrmacherhandwerks oder der Uhrenindustrie absolviert werden. Alternativ gibt es auch die Berufsfachschule. In NRW bilden nur zwölf Betriebe aus, Uhren Schmiemann ist der einzige in Oberhausen. Derzeit ist jedoch keine neue Stelle ausgeschrieben, denn die Werkstatt ist jetzt voll besetzt.